sächsische Zeitung   

Redaktion Dresden   

Unser Leserbrief zum Kommentar: „Der Staat kann nicht alles richten“ von Jürgen Müller

SZ vom 09.09.2013              

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir danken Ihnen für die ausführliche Berichterstattung über die Veranstaltung zum Bürgertag unter dem Motto „1.000 Kinderhände für eine leise Bahn“ der Bürgerinitiative Bahnemission-Elbtal e.V. in der Sächsischen Zeitung vom 09.09.2013.

Damit möchten wir die Gespräche zum Thema Bahnlärm weiterführen und Erfahrungen, Meinungen und andere Blickwinkel austauschen. Im o. g. Kommentar von Jürgen Müller wird deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können. Der Kommentator beginnt seine Ausführungen damit, dass Lärm krank macht. Allerdings unterstellt er, dass die Betroffenen bewusst an eine Bahnstrecke gezogen sind und damit wissentlich den Bahnlärm in Kauf nehmen. Jedoch lässt sich die Situation nicht ganz so einfach darstellen.

Fakt ist: Die Berliner Bahnstrecke besteht seit 1848. Seit jeher wohnen Menschen an der Bahnstrecke. Seit jeher besteht auch ein natürlich gewachsener Sicht- und Lärmschutz.

Fakt ist aber auch: Die Deutsche Bahn hat die Berliner Strecke von 2008 bis 2010 saniert und ausgebaut, um den Güterverkehr zu verstärken. Im entsprechenden Planfeststellungsbeschluss wird von einer Lärmreduzierung um 3 db(A) ausgegangen. Die offizielle Lärmmessung des sächsischen Umweltmisiteriums von 2012 ergab jedoch, dass der zulässige Grenzwert in der Nacht von 49 dB(A) nicht unterschritten wird, sondern um 25 db(A) überschritten wird.  Damit ist nachgewiesen, dass der von Güterzügen verursachte Lärm messbar unerträglich geworden ist.

Fazit: Durch den Planfeststellungsbeschluss konnten die Bürger davon ausgehen, dass es nach der Sanierung keine Mehrbelastung durch Bahnlärm gibt. Hier stellen wir uns die Frage, inwieweit Herr Müller das Thema fachlich korrekt recherchiert hat?

Des Weiteren unterstellt Herr Müller, dass die Bewohner an der Bahnstrecke keinen Güterverkehr – also den Transport von Rohstoffen, Lebensmitteln und Konsumgütern – vor ihrer Haustür wollen. Wenn dies der Fall wäre, warum gehen die Anwohner erst seit 2011 gegen Bahnlärm auf die Straße und nicht bereits seit 1848? Hätte Herr Müller ein Gespräch mit den Betroffenen und der Bürgerinitiative gesucht, würde er wissen, dass wir für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene sind, um die Umwelt zu schützen. Unser Ziel ist: eine leise Bahn, ein leiser Güterverkehr -  für ein lebenswertes Elbtal.

In seinem letzten Absatz suggeriert Herr Müller mit der geforderten Eigenverantwortung den        Betroffenen von ihren Rechten zum Lärmschutz Gebrauch zu machen. Dafür gibt es aber keinen Rechtsanspruch. Einzig Art. 2 Grundgesetz sichert den Menschen körperliche Unversehrtheit, somit Gesundheit, zu. Darum ist der Gesetzgeber gefordert, einheitliche Regelungen zu schaffen.  Das Beispiel Schweiz zeigt, dass mit einem vorhandenen politischen Willen der Volksvertreter gesetzliche Rahmenbedingungen umsetzbar sind. Leider ist man in Deutschland noch nicht soweit.

Weiterhin erwartet Herr Müller, dass die von Bahnlärm Betroffenen ihre persönlichen Interessen dem Gemeinwohl unterordnen. Fakt ist: Bahnlärm macht krank. Dadurch steigen die Kosten in der Krankenversicherung. Diese Kosten werden auf die Gemeinschaft umgelegt. Dies sehen die Bürger u. a. an den steigenden Krankenkassenbeiträgen. Fakt ist auch: Bahnlärm und seine Auswirkungen senkt die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Fakt ist: Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass  der durch den  Bahnlärm verursachte volkswirtschaftliche Schaden  deutlich höher ist als die erwirtschafteten Erträge. In erster Linie geht es darum, die Gemeinschaft zu schützen und nicht die persönlichen Interessen zu verfolgen. Die Frage ist: sind 250.000 Betroffene im Elbtal lediglich 250.000 persönliche Einzelinteressen, oder vielmehr eine Gemeinschaft?

Die Bürgerinitiative Bahnemission-Elbtal e.V. vertritt 15 % der betroffenen Bürger im Elbtal. Wir wollen gemeinsam mit den Betroffenen, der Bahn und mit der Politik Lösungen finden. Wir sind für eine leise Bahn. Wir treten für einen leisen Güterverkehr ein. Das haben wir auch am Bürgertag unter dem Motto „1.000 Kinderhände für eine leise Bahn“ zum Ausdruck gebracht. Die Bahn kann ihre Akzeptanz nur erlangen, wenn sie leise ist.

Mit freundlichen Grüßen                                                                                

Krebs

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